Ost und West: Werden die Unterschiede wieder zu Fronten?
Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung, aber spätestens seit den Wahlen in Sachsen-Anhalt, ist die Ost-West-Debatte in Deutschland mit großer Schärfe zurückgekehrt. Eine Entwicklung, über die der Germanist Dirk Oschmann und der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi in einem aktuellen „SPIEGEL“-Beitrag diskutieren. Es geht um mediale Zuspitzung, gesellschaftliche Ausgrenzung und die Frage, wie belastbar die gemeinsame politische Kultur tatsächlich ist. Oschmann kritisiert insbesondere eine Berichterstattung, die ostdeutsche Erfahrungen aus seiner Sicht pauschalisiert und damit neue Ressentiments fördert. Prof. Dr. Nassehi verweist dagegen auf die Komplexität einer offenen Gesellschaft, in der unterschiedliche Perspektiven, Interessen und Deutungen bestehen müssen. Armin Nassehis Lösungsansatz: Sich nicht auf weitere gegenseitige Zuschreibungen konzentrieren, sondern auf politische Projekte, die über regionale Identitäten hinausgehen. Ebenso wichtig sind gesamtgesellschaftliche Herausforderungen wie Demografie, Digitalisierung und soziale Sicherung, die in Angriff genommen werden sollten.
Derartige gesellschaftliche Spannungen und Widersprüche zählen zu Prof. Dr. Armin Nassehis zentralen Arbeitsfeldern. Der Soziologe lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Nassehi mit der Analyse moderner Gesellschaften, der Risikosoziologie, der Wissensgesellschaft, der Kommunikation und den Dilemmata des Entscheidens. Dabei untersucht er unter anderem, warum Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit häufig nach unterschiedlichen Logiken handeln. Seiner Ansicht nach sind gesellschaftliche Probleme deshalb selten mit einfachen Antworten zu lösen. Bei Ramsauer Rednermanagement spricht Nassehi in seinen gefragten Vorträgen unter anderem über die Themen „Warum ist Deutschland so zukunftsängstlich?“, „Paradoxien des Entscheidens“ und „Transfer wissenschaftlichen Wissens in politische Entscheidungen“. Der Keynote Speaker versteht es, soziologische Analyse mit aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu verbinden. Nassehi verdeutlicht dabei, dass gesellschaftliche Konflikte oft weniger an fehlenden Informationen als an unterschiedlichen Perspektiven und Erwartungshorizonten entstehen.


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