Redner Trends Dezember 2011
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Liebe Leserinnen und Leser der Redner-Trends,
die Regierungen der Welt stehen vor großen Herausforderungen: ob es um die Euro- und Finanzkrise, ob um Anleihenkäufe durch die EZB und beängstigende Zinsbewegungen, um Weltklimakatastrophen und Arbeitsmarktentwicklungen, um die (nicht zuletzt ethischen Fragen) der globalen Rohstoffausbeutung und damit verbundenen Sozial-Probleme in vielen Ländern geht - national und international müssen wir uns mit den Problemen auseinandersetzen, um folgenden Generationen einen lebenswerten Planeten und geordnete Währungs- und Staatssysteme zu hinterlassen.
Einige Redner, die wir Ihnen heute in unseren „Redner-Trends" vorstellen, setzen sich mit dem Szenario auf je unterschiedliche Weise und aus verschiedenen Perspektiven auseinander.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.
Zur Advents- und Weihnachtszeit sowie zum Jahreswechsel grüßen und wünschen alles Gute -
Ihre
Ulrike Ramsauer Barbara Stang Eve Bazata
Prof. Dr. Hans-Joachim Voth 
International angesehener Finanz- und Wirtschaftsexperte
Professor Hans-Joachim Voth, geboren1968, erforscht als international angesehener Wirtschaftshistoriker die Ursachen und Folgen von Finanz-, Währungs-, und Wirtschaftskrisen. Er nutzt dabei die Perspektive der Geschichte, um die Folgen der Staatsverschuldung und fehlgeleiteter Regulierung zu analysieren.
Es zeichnete sich bereits zum Abschluß seiner Promotion ab, dass Hans-Joachim Voths nachhaltige Überlegungen zu Themen wie der Krise des Kapitalismus und Neuorientierung der Wirtschaftspolitik sowie der Währungsmärkte viel Gehör finden würden: für seine Dissertation wurde er mit dem Alexander-Gerschenkron-Preis der Economic History Association für die „beste Dissertation in internationaler Wirtschaftsgeschichte" ausgezeichnet; und im Jahre 2008 verlieh ihm das European Research Council einen der ersten „Advanced Investigator Grants".
Voths Plädoyer: politisch ist es nicht klug und gut, eine Währungsunion mit immer höheren Geldausgaben zu stützen, um sie zu erhalten: Europa habe sich in eine Situation manövriert, „wo der Euro in seiner jetzigen Form nur sehr schwer zu bewahren" sein werde....
Da die Europäische Zentralbank derzeit dabei ist, zur gigantischen Bad Bank zu verkommen, besteht die große Gefahr, Europa verkomme zur Transferunion. Aber dies kann - so Voth - nicht im Interesse Europas liegen und auch nicht im Sinne des Demokratieverständnisses in den Ländern. Vertrauen müsse wiederhergestellt werden, Vertrauen in Demokratie und verantwortlich handelnde Regierungen, sonst sei das „Endspiel" nahe und der Euro nicht mehr zu retten.
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Bernd Kolb
Kreativität und Unternehmertum - ein optimistischer Blick
in die Zukunft
Bernd Kolb, geboren 1962, ist ein Unternehmer, der im Jahre 1988 - gemeinsam mit Jürgen Buschbaum - die ID-Werbeagentur GmbH gründete, aus der später die I-D Media hervorging. Für die Zigarettenmarke West entwickelte er 1993 das erste werbliche Internet-Portal in Deutschland (online 1994). 1998 erhielt Kolb von der SPD die Auszeichnung als „Unternehmer des Jahres". Zwischen 2005 und 2008 war Kolb Telekom-Vorstand. Er ist Gründer des Club of Marrakesh, eines globalen, interdisziplinären Netzwerkes. „Kreativer Unternehmergeist" hat für ihn höchsten zukunftsweisenden Stellenwert.
Bernd Kolbs Haltung gegenüber der akuten Krise der Märkte und zur weltpolitischen Entwicklung liest sich (einfach ausgedrückt) folgendermaßen: "Die Krise ist unsere größte Chance!" Das heißt:
„Weltwirtschaftkrise, Rohstoffkrise, Finanzkrise, Klimawandel - die Szenarien der Zukunft stellen uns vor fundamentale Herausforderungen. Aber Krisen sind stets eine Chance: sie fördern den Mut zu neuem Denken, in Krisen bekommen neue Ideen Raum, und damit sollten wir positiv umgehen. Jetzt ist kreativer Unternehmergeist gefragt, und Optimismus ist der „Rohstoff" für eine positive und konstruktive Zukunft.
Die nächste Generation ist es also, die den Wandel weitertreibt, und es geht um nicht weniger als die Re-Industrialisierung unserer Welt, den Umbau unserer Industriegesellschaft in nachhaltige und zukunftsfähige Systeme, den wir als „business-case" verstehen sollten.
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Prof. Dr. Astrid Szebel-Habig
Expertin für Unternehmensethik und "Mixed Leadership"
Prof. Dr. Astrid Szebel-Habig wurde 1953 in Bonn geboren und lehrt als Professorin Betriebswirtschaft und Recht an der 1995 neu gegründeten Hochschule Aschaffenburg. Sie ist Frauenbeauftragte dieser Hochschule seit 2000 und eine Expertin für „Mixed Leadership". Frauen in Führungspositionen zu bringen, ist ihr ein vorrangiges Anliegen, zu dem sie auch regelmäßig publiziert.
„Frauen sollten in Führungspositionen gelangen, und zwar in international agierenden Unternehmen": damit beschäftigt sich Professor Szebel-Habig seit vielen Jahren: Frauenquote? Mentoring? Talent-Management? - Wie muss eine Gegenwarts- und auch Zukunfts-Strategie - gerade vor dem Hintergrund einer krisengeschüttelten Wirtschaft - aussehen, die von Frauen und Männern befürwortet und mitgetragen wird? fragt sich die durch internationale Berufserfahrung geschulte und langjährig im Personalbereich und im Vertrieb sowie als kaufmännische Direktorin in einem deutschen Unternehmen tätig gewesene Expertin. Auf allen Ebenen herrscht Diskussionsbedarf, nicht zuletzt sind auch prekär Beschäftigte fast immer Frauen: Ein taugliches Konjunkturpaket, das sinnvolle Beiträge enthält, um die Krise zu bewältigen oder zumindest abzufedern, hat für Frauen in den Bereichen Bildung, leitenden Fürhungspositionen und Dienstleistung (auf allen Ebenen) bisher wenig zu bieten.
Im Bereich „Bildung" wird zwar investiert, aber mehr in die Infrastruktur, zu wenig aber im Personalbereich, in dem hauptsächlich Frauen beschäftigt sind: gender mainstreaming heißt es, ernst zu nehmen! Dies wird auch positive Rückwirkungen auf die Gesamtkrise haben, gerade auch, weil die soziale Kompetenz ein wesentlicher Faktor ist.
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Prof. Dr. Max Otte
Ökonom und Fachmann für Unternehmensstrategie
Professor Dr. Max Otte ist im Fachbereich allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms tätig und zählt als Ökonom zu seinen Arbeitsgebieten vor allem: Unternehmensanalyse und Corporate Finance, Internationales Management, Existenzgründung, E-Commerce, Unternehmensstrategie, General Management, Unternehmenskultur und Organisationsentwicklung sowie weltwirtschaftliche Fragestellungen.
Max Otte ist einer der gefragtesten „Krisenerklärer" derzeit. Als „Crashprophet" viel gefragter Interview-Partner, hat der Ökonom schon 2006 mit seinem Buch „Der Crash kommt" u.a. die Finanzkrise vorhergesehen. (Das Buch ist ein großer Verkaufserfolg: bislang 500.000 verkaufte Exemplare sprechen für sich...). Der Erfolg seiner publizistischen Beiträge und Wortbeiträge in Talkrunden begründet sich nicht zuletzt darin, dass er einfache, schlicht formulierte und glaubwürdige Erklärungen ausspricht: Max Otte argumentiert von der Basis aus, und viele seiner Ratschläge haben sich bewährt: Geschäfte, die NICHTS mehr mit der Realwirtschaft zu tun haben, sind einfach als suspekt zu betrachten, weil daran nur die Banken verdienen; ein Haushalt, der aus den Fugen gerät, saniert sich nur durch vernünftige Ausgaben- und Einnahmen Politik.
Warren Buffett, der bekannte US-Investor, gilt dem Ökonom Otte als Vorbild. Zum Beispiel: Im Frühjahr 2009, als die Aktienkurse im Keller waren, riet Max Otte Privatanlegern, Aktien zu kaufen. Einige Unternehmen seien schlicht „spottbillig" bewertet, bemerkte er damals - und behielt mit seiner Empfehlung recht.
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Buchtipp: „The Age of Less" -
die neue Wohlstandsformel der westlichen Welt" heißt das neue Buch von Dr. David Bosshart. Bosshart, Geschäftsführer des renommierten Gottlieb-Duttweiler-Instituts, fordert ein radikales Umdenken in der Wirtschaft. Sein Credo ist: Umsteigen statt ausssteigen.
Ein Umstieg in das „Age of Less", ein Zeitalter des Immer-Weniger, das uns aber gleichzeitig Aktionsräume für ein neues, robusteres Wachstum bietet.
Murmann Verlag 2011, 19,90 Euro.
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Herausgeberin: Ulrike Ramsauer
Idee & Gestaltung: Ulrike Ramsauer, Barbara Stang & Michael Stöcker
Erscheinungsweise: 6 x jährlich
Auflage: kostenloser E-Mail-Versand an ca. 4.000 Kunden und Interessenten
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