Redner Trends August 2011

+++ NEUE THEMEN UND AKTUELLES +++

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Liebe Leserinnen und Leser der Redner-Trends,

Europa steht vor großen Herausforderungen: die Finanz- und Schuldenkrise, die Entwicklungsaussichten des westeuropäischen Sozialstaates im 21. Jahrhundert, die immensen Probleme der Länder im Süden Europas (inklusive Migrationswelle aus den nordafrikanischen Staaten), das Thema „China als aufsteigende Wirtschaftsmacht" oder „Osteuropa und die europäische Sicherheitspolitik", die Tatsache, dass Zypern in einem Jahr die wechselnde Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernehmen wird und bis dahin der türkische Teil der Insel und die Türkei eine Regelung über die Teilung der Insel erreicht haben wollen, die (politisch-wirtschaftlichen) Schwierigkeiten Griechenlands, die Extremismus-Debatte, und, und, und...

Gleichzeitig auch positive Meldungen: der am 26. Juli von der UNO veröffentlichte Weltinvestitionsbericht besagt, dass seit 2008 die Auslandsinvestitionen in Frankreich, Großbritannien und Japan sinken. Anders in Deutschland: deutsche Firmen verzeichneten ein Plus von knapp 35 Prozent auf 105 Milliarden Dollar. Täglich neue Meldungen zum politischen, medialen, Sicherheits- und Wirtschafts-Schwerpunkt „Europa, bzw. Deutschland und die Welt/ Europa auf dem Prüfstand", die es einzuordnen, zu bedenken, zu verarbeiten und zukunftsweisend zu interpretieren gilt.

Wir stellen Ihnen in diesem Newsletter eine Reihe von Rednern vor, die dies aus unterschiedlicher Perspektive tun und in ihren Vorträgen öffentlich machen.

Es grüßen freundlich und wünschen Ihnen sonnige Sommer- und erholsame Urlaubstage

Ihre

Ulrike Ramsauer  Barbara Stang  Eve Bazata


Redner Dr. Mathias Stuhr


    Dr. Mathias Stuhr

    Soziologische Aspekte der Entwicklung Europas: Der
    westeuropäische Sozialstaat und das Dilemma der Migration

Der hoch entwickelte westeuropäische Sozialstaat, wie er in den skandinavischen Ländern, Deutschland, den Beneluxstaaten und Frankreich anzutreffen ist, ist durch die jahrzehntelange Migration nach dem Zweiten Weltkrieg in eine fundamentale Krise geraten. Diese Krise besteht aus zwei Problembereichen, einerseits gibt es ein ökonomisches Problem der Finanzierung und andererseits ein kulturelles wie soziales Problem der Legitimation.

Dabei wird der Sozialstaat zu Beginn des 21. Jahrhunderts (völlig zu Recht) als eine der größten Errungenschaften der europäischen Geschichte der Nachkriegszeit wahrgenommen, in Deutschland hat sein Ansehen nach der massiven neoliberalen Kritik in den 1990er und 2000er Jahren sogar noch zugenommen. Der deutsche Sozialstaat gilt als eine der entscheidenden Ursachen für die wirtschaftliche Stärke wie für den sozialen Frieden in unserem Lande. Nun steht der deutsche Wohlfahrtsstaat, genau wie der seiner westeuropäischen Nachbarn, vor einem gewaltigen Dilemma. Dieses besteht darin, dass Deutschland, und das noch weitaus mehr als seine Nachbarn, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine massive Zuwanderung benötigt, während es gleichzeitig mit den schon vorhandenen Migranten, bzw. Kindern und Enkeln von Migranten, massive Probleme gibt. Das Dilemma der Migration liegt hauptsächlich nicht in dieser selbst begründet, sondern in der demographischen Entwicklung wie in der Ausgestaltung des (west-) deutschen Sozialstaats seit den 1950er Jahren bis heute.

Die Anreize unseres wohlfahrtsstaatlichen Systems, auf das breite Schichten der Bevölkerung immer noch stolz sind, haben dafür gesorgt, eine Migration zu verstärken, die für immer mehr soziale wie auch ökonomische Probleme sorgt. Diese Probleme können mit hoher Arbeitslosigkeit, geringen oder keinen Bildungsabschlüssen, Sprachproblemen und Wertedifferenzen beschrieben werden. Bestimmte Migrantengruppen, in Deutschland vor allem türkische und arabische Migranten, integrieren sich in diesem Sinne bisher weitaus schlechter, als viele Migrantengruppen Osteuropas und Ostasiens. Der Generationenvertrag, Grundlage unseres sozialen Systems, funktioniert nicht mehr. Einer schrumpfenden Anzahl an (ökonomisch produktiven) Einzahlern (von Steuern und Sozialabgaben) steht eine wachsende Anzahl von (ökonomisch unproduktiven) Empfängern entgegen. Während dem größten Anteil, der stetig wachsenden Gruppe der Rentner, dieses Empfangen zugestanden wird, so gerät die Gruppe der arbeitslosen Empfänger immer mehr in die Schußlinien der Politik, Wirtschaft und Medien.

Außerdem wird ein („ur-")deutscher Arbeitsloser immer noch, und immer mehr, gesellschaftlich wie medial anders angesehen als ein arabischer Migrant oder Berliner Türke der dritten Generation. Diese Sichtweise mag als ungerecht, ressentimentgeladen oder gar rassistisch gelten, sie nimmt in einer Gesellschaft, die auf der anderen Seite dringend qualifizierte Einwanderer benötigt, aber eher weiter zu. In fast allen westeuropäischen Ländern konnten so in den letzten beiden Jahrzehnten populistische Parteien aufsteigen, die die Ängste der Bürger aufgreifen und für ihre Zwecke nutzen: Deutschland bildet hier (noch) eine Ausnahme. So ist die Politik, will sie das Dilemma der Migration angehen, aus ihrer Sicht fast gezwungen, zwischen „guter" Zuwanderung (von qualifizierten und jungen Menschen) und „schlechter" Migration (von unqualifizierten Menschen) zu unterscheiden, um einerseits den berechtigten oder unberechtigten Ängsten der Bürger entgegen zu kommen und andererseits eine echte Einwanderungspolitik nicht aus den Augen zu verlieren, die in Deutschland weiter auf sich warten lässt und eines der wenigen hilfreichen Werkzeuge wäre, um an dem Dilemma zu arbeiten.

Dr. rer. pol. Mathias Stuhr wurde 1970 in Reinbek bei Hamburg geboren, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebt seit einigen Jahren in Berlin, wo er u.a. Lehraufträge hat und als Sachbuchautor tätig ist. Er hat zum Thema „Mythos New Economy" ausführlich gearbeitet und publiziert, ebenso im Bereich Konsumforschung, Migration und Bildung. Zwischen Mai 2010 - Dezember 2010 war er u.a. wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Schulvergleichsstudie „Lessons to learn" der Abteilung für Bildungswissenschaft der Wirtschaftsuniversität Wien (im Auftrage der Stadt Wien).

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Redner Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher   

    Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher

    Wirtschaftswissenschaftler, Experte für Nachhaltigkeitsfragen,
    Hochschullehrer am „Forschungsinstitut für anwendungsorientierte
    Wissensverarbeitung" (FAW)

Das Themen-Spektrum Franz Josef Radermachers umfasst die Bereiche Globalisierung und Nachhaltigkeit: damit sind vor allem alle Fragen hinsichtlich Chancen und Risiken von Globalisierung und Nachhaltigkeit sowie das Wissen darüber - und zwar hinsichtlich deutscher (umwelt)-politischer Fragestellungen, aber auch europäischer und weltweiter Fragestellungen in „schwierigen Zeiten" gemeint.

Das gegenwärtige Gesellschaftsmodell hat sich sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht als nicht zukunftsfähig erwiesen: Klimawandel und Artensterben, schwindende Ressourcen, die steigende Staatsverschuldung, einschneidende Finanzkrisen in Europa sowie der ungebrochene Anstieg sozialer Ungleichheit zeigen, dass ein Umsteuern notwendig ist. Im Zuge der in zahlreichen europäischen Staaten initiierten Sparanstrengungen drohen schmerzhafte Kürzungen bei Umweltschutzprogrammen und wohlfahrtsstaatlichen Maßnahmen, wodurch sich die ökologische und soziale Krise nur weiter zuspitzen würde. Es gibt überzeugende Konzepte für eine nachhaltigere und gerechtere Ausgestaltung der gegenwärtigen Gesellschaft(en), die in Schlagworten wie „Green Capitalism" , „Ökosoziale Marktwirtschaft" oder „Global Green New Deal" Ausdruck finden. Das Problem ist, dass nicht selten Interessengruppen im Weltfinanzsektor diese Konzepte zu blockieren versuchen. Um an dieser Stelle die notwendigen Veränderungen dennoch anzugehen, ist ein breites fundiertes Wissen über Potentiale und Grenzen der ökosozialen Ansätze erforderlich.

Der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Franz Josef Radermacher, Jahrgang 1950, ist schwerpunktmäßig mit Fragen der Globalisierung und Nachhaltigkeit beschäftigt. Er ist Mitglied des Club of Rome, Präsident des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft e.V. und u.a. Kuratoriums-Vorsitzender der Stiftung Weltvertrag. „Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit" ist eines der Themen, zu dem Radermacher stetig arbeitet. Zudem hat er über 120 wissenschaftliche Arbeiten publiziert.

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REdner Dr. Peter Röll

   
    Dr. Peter Röll

    Präsident des Instituts für Strategie-, Politik-, Sicherheits- und
    Wirtschaftsberatung: Risiken und Herausforderungen für den
    Wirtschaftsschutz im 21. Jahrhundert

Wirft man einen Blick in den Verfassungsschutzbericht 2010 des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), den Bundesinnen-minister Dr. Hans-Peter Friedrich am 1. Juli 2011 in Berlin vorstellte, wird deutlich, dass die Nachrichtendienste der VR China und der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland besonders aktiv sind. Abgesehen von der geopolitischen Lage Deutschlands, unserer Bedeutung für das NATO Bündnis und unserer herausragenden Rolle in der Weltwirtschaft, ist es Deutsch-lands Spitzentechnologie, die Nachrichtendienste, aber auch Konkurrenten im Visier haben.

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass deutsche Unternehmen künftig mit einer noch höheren Gefährdung durch Angriffe auf die IT und Telekommunikation sowie durch Ausspähung zu rech-nen haben. So konnten im vergangenen Jahr nicht nur über 1.600 Hackerangriffe mit eindeutigem nachrichtendienstlichen Hintergrund auf Ministerien und das Bundeskanzleramt identifiziert werden - davon mehrheitlich aus der VR China - sondern im Freistaat Bayern erfolgten im Jahre 2010 auch 80 Hackerangriffe auf Unternehmen. Keines der angegriffenen Unternehmen hatte die Attacke mitbekommen, konnte aber durch das Landesamt für Verfassungsschutz im Nachhinein entsprechend sensibilisiert werden. Risiken und Herausforderungen für den Wirtschaftsschutz bestehen für deutsche Unternehmen ferner durch die Bedrohung der Handelswege, durch eine in vielen Ländern weit verbreitete Korruption und im sich verschärfenden Kampf um Ressourcen.

Um diese breit gefächerte Thematik umfassend darstellen und diskutieren zu können, lädt der Deutsch-Asiatische Wirtschaftskreis (DAW) am 12. September 2011 zu einer hochkarätigen Wirtschafts-tagung ins Hilton Hotel in Berlin ein: unter redner.de finden Sie den entsprechenden Flyer Risiken und Herausfordernugen für den Wirtschaftsschutz im 21. Jahrhundert" als pdf-Download!

Seit Januar 2006 ist Dr. Peter Röll Präsident des Instituts für Strategie- Politik- Sicherheits- und Wirtschaftsberatung (ISPSW) in Berlin. Zuvor war er als Senior Advisor für Außen- und Sicherheitspolitik in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU in Brüssel tätig. In Deutschland leitete Dr. Roell das Referat Asien-Pazifik, Lateinamerika und Afrika (Subsahara) und war an deutschen Botschaften im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien tätig. Dr. Roell studierte Sinologie und Politische Wissenschaften.

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Redner Jean-Claude Trichet
   

    Jean-Claude Trichet

    EZB-Präsident

Jean-Claude Trichet gilt als Prototyp des „überzeugten Europäers", der für das Projekt „EUROPA und der EURO" (seit dessen Einführung) kämpft und die Europäische Zentralbank von Anfang an auf Preisstabilität ausrichtete. Hinsichtlich der eklatanten Finanz- und Wirtschaftsprobleme, die Portugal und Griechenland, aber auch Spanien und Italien derzeit beuteln, sieht er die Notwendigkeit einer maßgeblichen Kontrolle der Umsetzung von struktur- und wirtschaftspolitischen Anpassungsprogramme durch die europäischen Mitgliedstaaten, den Internationalen Währungsfonds und durch die EU-Kommission.
Dadurch, daß sich die mit den Staatsfinanzen verbundenen Probleme derzeit auf wenige Länder konzentrieren, sieht Trichet das Haushaltsdefizit des gesamten Euro-Raums - im Gegensatz zu 10 % Defizit des Bruttoinlandsproduktes in Japan und den USA -, hierzulande „nur" bei 4.5.%: d.h. der Euro gilt nach wie vor als eine glaubwürdige und starke Währung. Der konföderative Gedanke, der Europa zusammenhält, ist für Trichet ein wichtiger Stabilitätsfaktor für den Finanzmarkt der Gegenwart und der nahen Zukunft.

Geboren wurde Jean-Claude Trichet 1942 in Lyon; bis Oktober 2011 wird er Präsident der Europäischen Zentralbank sein, der er dann 8 Jahre (seit Ende 2003) vorstand.
Trichet studierte Volkswirtschaft und hat seinen Abschluss an der französischen Elitehochschule ENA erworben. Als Leiter des Schatzamtes diente er seit 1987 fünf französischen Premierministern, 1993 wurde er Präsident der französischen Notenbank.

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Buchtipp zum Thema: Professor Burkhard Schwenker - Europa führt!
Plädoyer für ein erfolgreiches Managementmodell - Ein Plädoyer für Europa und ein europäisches Managementmodell, in dem der Autor, Burkhard Schwenker, das europäische Management-modell lobt, das amerikanische hingegen als „Auslaufmodell" bezeichnet. Kritische Töne gegenüber dem bestehenden, derzeitigen Modell ist er allerdings auch: Das längste Kapitel des Buches beschäftigt sich mit Verbesserungsvorschlägen für die europäische Gesellschaft.
Politik, Wirtschaft, Finanzpolitik und vor allem Bildung (Stichwort: Amerikanisierung durch den Bologna-Prozess) bedürfen laut Schwenker einer Überarbeitung bzw. einer neuen Ausrichtungen. (Verlag Brunomedia, 2011)

Nominierung! Tobias Schroedel, IT-Experte und Vortrags-Redner, ist mit seinem Buch „Hacking für Manager" für den „getAbstract International Book Award" (der während der Frankfurter Buchmesse 2011 alljährlich vergeben wird) unter den Nominierten für das „beste Wirtschaftsbuch" 2011. Dort werden je 5 deutschsprachige und 5 englischsprachige Titel jährlich vorausgewählt.

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Herausgeberin: Ulrike Ramsauer
Idee & Gestaltung: Ulrike Ramsauer, Barbara Stang & Michael Stöcker
Erscheinungsweise: 6 x jährlich
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