Dr. h.c. Joachim Gauck - Redner

Pfarrer, Bürgerrechtler, demokratischer Vordenker, ehemaliger „Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“ a.D., Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 2010
Dr. h.c. Joachim Gauck gilt als moralische Instanz in der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Landschaft: er ruft zum Wagemut auf, dazu, Freiheit als höchstes Gut zu nutzen, Unterwerfungsmustern den Kampf anzusagen und ein kategorisches Misstrauen gegenüber selektiver Erinnerung, die sich mit „unangenehmen Wahrheiten“ nicht auseinandersetzen will, walten zu lassen.
Joachim Gauck, 1940 in Rostock als Kapitäns-Sohn geboren, studierte im Anschluß an das Abitur Theologie. Zwischen 1965 und 1990 ist er im Dienst der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs, als Pastor in Rostock, wo er neben seinem Amt u.a. auch Stadtjugendpastor und dann Leiter der Kirchentagsarbeit seiner Landeskirche war.
Als Vortragender und von der Kanzel sprechender Geistlicher war und ist ihm das kritische, zukunftsweisende Wort stets wichtig. Im Jahre 1989 gehörte Joachim Gauck zu den Mitbegründern des 'Neuen Forum', war dessen Sprecher er in Rostock wurde. Im Herbst 1989 initiierte er den kirchlichen und den öffentlichen Widerstand gegen die SED-Diktatur mit und entwickelte gemeinsam mit den DDR-Bürgern in Gottesdiensten machtvolle Protest-Demonstrationen, die letztlich das DDR-Regime mitbeendeten.
Im März 1990 zog er als Abgeordneter der Bürgerbewegungen, die sich im Bündnis 90 zusammengeschlossen hatten, in die erstmals frei gewählte Volkskammer ein und wurde zum Vorsitzenden des Parlamentarischen Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des MfS (Ministerium für Staatssicherheit) gewählt.
Nach Wahl durch die Volkskammer wurde Gauck zum 3. Oktober 1990 vom Bundespräsidenten und vom Bundeskanzler zum 'Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes' berufen; Ende 1991 - nach Verabschiedung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes des Deutschen Bundestages - war er 'Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik' mit Sitz in Berlin. Am 3. Oktober 1995 erfolgte die Berufung für eine zweite Amtsperiode, die am 2. Oktober des Jahres 2000 endete.
Im Jahr 2001 moderierte Gauck 14-tägig die WDR-Sendung ‚Joachim Gauck’. Seit November 2003 ist er Bundesvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen- Für Demokratie“. Im Jahre 2010 war Gauck Kandidat der SPD und der GRÜNEN für das Amt des Bundespräsidenten, unterlag im 3. Wahlgang Christian Wulff, den die CDU/ CSU und die FDP aufgestellt hatten. Joachim Gauck erhielt zahlreiche Ehrungen für sein couragiertes Eintreten für Demokratie, Aufklärung und Freiheit, u.a. das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse oder den Hannah-Arendt-Preis.
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